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Learnings aus den letzten „Booktok Dramen“

  • 5. Juli
  • 6 Min. Lesezeit


Es gibt einige Dinge, die man von dem Lernen kann, was in den letzten Wochen auf Booktok & co ans Licht gekommen ist.

Denn das, was die meisten als Erfolg wahrgenommen haben, war in viel zu vielen Fällen ein Luftschloss, das an der Realität gescheitert ist. Was meine ich damit?


In den letzten Jahren habe ich zahlreiche Gespräche erlebt, in denen Zahlen verglichen wurden. Wie viele Klicks hat man? Wie schnell wachsen die Follower? Wer steht wo auf welcher Rangliste?

Es wurde angenommen, dass „gute Zahlen“ einen hohen Erfolg bedeuten.

Aber haben wir aus der Popkultur rein gar nichts gelernt? Haben wir nicht tausendfach gesehen, was mit One-Hit-Wondern passiert? Haben wir nicht gesehen, wie viele unserer Lieblingsstars an ihrem Erfolg zerbrochen sind? Schaut euch Britney Spears, Amy Winehouse, Justin Bieber und so viele mehr an. Gute Zahlen machen einen nicht glücklich. Sie können einen zerstören.


Nicht umsonst sagt man, dass es 10 Jahre braucht, um eine „Over Night Sensation“ zu werden. Denn Erfolg, der glücklich macht, braucht ein stabiles Fundament.


Und die wachsende Anzahl an Burnout-Statements in der Buchwelt zeigt, wie wenig achtsames Wachstum wertgeschätzt wird.

Nicht nur von den Verlagen - sondern von allen Beteiligten.


Erfolg sieht für jede Person anders aus. Denn jeder Mensch hat andere Werte, die das Leben prägen. Genug wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Entscheidungen, die nicht zu den eigenen Werten passen, sich negativ auf unsere psychische Gesundheit auswirken.

Also ist es nicht verwunderlich, dass der Fokus auf Zahlen, bei dem man seine eigentlichen Werte aus dem Blick verliert, für die meisten nicht nachhaltig ist.


Doch wie sieht gesunder Erfolg aus, der auch nachhaltig ist?

Für diese Frage gibt es keine Checkliste, die allgemeingültig für alle funktioniert.

Die Antwort auf diese Frage ist ein Prozess, der aus den Erkenntnissen von verschiedenen Reflektionsfragen besteht:

  • Welche Werte sind dir im Leben am wichtigsten? zB Familie, Gesundheit, Stabilität, Kreativität, Soziale Gerechtigkeit, Status usw.

  • Welche der Werte lebst du bereits ausreichend?

  • Welche Werte brauchen Aufmerksamkeit? Welche Entscheidungen müsstest du treffen, um diesen Werten gerecht zu werden, ohne andere zu verletzen?


Machen wir das ganze mal etwas anschaulicher:


Hildegart ist mit 25 Jahren fertig mit ihrem Studium und arbeitet in einem Behördenjob, der ihr finanzielle Sicherheit gibt und viele Benefits hat, mit denen sie gesund leben kann. Das ist ihr sehr wichtig.

Aber eine Sache fehlt ihr: die Kreativität und soziale Interaktionen.

Deshalb beschließt sie einen Buchaccount zu erstellen. Sie kann beide damit beides abdecken: Austausch und Kreativität.

Erfolg würde für sie so aussehen, dass sie ihren stabilen Job behält und durch ihren Account täglich im Austausch mit anderen Menschen ist, in Beiträgen, die sie frei gestalten kann. Hier und da arbeitet sie mit anderen zusammen, was ihre Kreativität in neue Richtungen lenkt und ihr noch mehr Austausch bietet. Unabhängig von den Zahlen ist sie erfolgreich, wenn sie das weiter so machen kann.


Lorelei ist auch 25 und in einem Behördenjob. Doch dieser Job schränkt sie in ihrer Autonomie ein. Das belastet sie sehr. Sie braucht etwas, das ihr maximale Freiheit ermöglicht und ihr trotzdem irgendwie das Leben finanziert. Wenn sie Content Creator sieht, denkt sie sich „genau so stelle ich mir das vor!“. Sie macht sich einen Plan, belegt Kurse und ist vorbereitet bevor sie ihren Account beginnt. Ihr Wachstum ist schnell, denn sie weiß genau was sie tut.

Sie sieht ihr langfristiges Ziel, nämlich die maximale Freiheit, und das erreicht sie nicht, wenn sie ihren Content daran anpasst, was anderen Erfolg einbringt. Das wäre am Ende genau dasselbe Gefühl wie in ihrem jetzigen Job.



Theodora hingegen hat Social Media lange nur aus Spaß gemacht. Sie merkt irgendwann, dass andere Menschen mit der selben Anzahl an Klicks und Followern sich damit das Leben finanzieren. Ein wichtiger Wert in ihrem Leben ist Soziales Ansehen und sie denkt, dass Kooperationen eine Anerkennung ihrer Leistung ist und ist frustriert, weil ihr keine Kooperationen angeboten werden. Sie sucht nach dem Grund dafür, wieso die anderen anscheinend beliebter sind. Ihr Fokus rückt immer mehr in das ständige Vergleichen. Was ihr nicht bewusst ist? Ihr hoher Wunsch nach sozialer Anerkennung ist das Resultat davon, dass ihr im Alltag Wertschätzung fehlt - ein Grundbedürfnis. In ihrem Kern ist ihr soziale Anerkennung als Wert gar nicht so wichtig, wie es aktuell an Wichtigkeit angenommen hat. Sie muss reflektieren, wo in ihrem Leben erlebt sie das Gegenteil von Wertschätzung? In ihrem Job wird ihr jeder Fehler vorgehalten und ihrem sozialen Umfeld bekommt sie selten ein Danke zu hören. Diese Lücke in ihrem Grundbedürfnis wird sie nicht alleine mit Social Media retten. Zuerst braucht es eine Veränderung in ihrem Job, denn wenn man jemanden jeden Tag sogar Wertschätzung wegnimmt, muss man doppelt und dreifach in anderen Bereichen nachlegen. Sie wechselt ihre Abteilung und erlebt eine angenehmere Fehlerkultur und regelmäßiges positives Feedback. In ihrem Umfeld kann sie nun selber öfter Wertschätzung ausdrücken und bekommt diese regelmäßig zurück.

Durch diese Veränderungen merkt sie, dass ihr eigentlich Soziale Gerechtigkeit sehr wichtig ist, egal wie viel Wertschätzung sie dafür erlebt. Sie ändert nach und nach ihren Inhaltlichen Fokus. Und obwohl sie Follower verliert und keine Kooperationen bekommt, sieht sie nach und nach Kommentare von Menschen, die sie durch ihren Content erreichen konnte. Das ist Erfolg.


Und genauso ist es beim Schreiben von Büchern. Fitzek sagte mal, dass er jeder schreibenden Person nur empfehlen kann, so lange es möglich ist in seinem Brotjob zu bleiben.

Auch da können wir uns verschiedene Beispiele anschauen:


Hannelore will Geschichten schreiben, die ihr wichtig sind. Ihr wird ein Buchvertrag angeboten, für den sie zwar einen vierstelligen Vorschuss bekommt, der ihr jedoch nicht das Leben finanziert und für den sie ihre Geschichte fundamental verändern müsste. Sie denkt sie müsse diesen Vertrag annehmen, weil wenn sie den Fuß in der Tür hat, kann sie ja irgendwann das schreiben was sie will. Doch nun verbringt sie jede freie Minuten nach Feierabend damit Geschichten zu schreiben, die ihr nicht wichtig sind. Ihr bleibt keine Zeit um nebenbei noch was anderes zu schreiben, was sie erfüllt. Sie steckt in einem Hamsterrad aus Verträgen, die sie keinem Stück ihrem Ziel näher bringt.


Siegried dagegen hat auch das Ziel Geschichten zu schreiben, die ihr wichtig sind. Sie bekommt dasselbe Angebot wie Hannelore, lehnt es jedoch ab.

Stattdessen übt sie weiter. Sie lernt immer mehr das Handwerk kennen, um das zu erreichen, was sie mit ihren Geschichten erreichen möchte.

Ihre Geschichte bekam tatsächlich ein Angebot. Es ist vom Vorschuss her die selbe Summe wie bei dem vorherigen Angebot, aber sie darf die Geschichte so schreiben wie sie es möchte. Sie ist glücklich mit der Situation, auch wenn sie keine Bestseller schreibt. Denn sie darf ihre Geschichten mit anderen Menschen teilen und das ist ihr genug.


Florentina träumt seit sie ein Kind ist davon Autorin zu sein. Sie kann sich keinen anderen Vollzeitjob vorstellen. Krampfhaft versucht sie den erstbesten Vertrag zu bekommen, den sie kriegen kann. Nach den ersten beiden Verträgen kündigt sie ihren sicheren Job, um sich voll auf das Schreiben zu konzentrieren. Doch die Bücher zeigen nicht den Erfolg den es braucht, um Verträge zu bekommen, die einen finanziell absichern. Sie nimmt jeden Deal an, egal wie schlecht er ist, weil sie ihn braucht. Sie träumt davon endlich den Durchbruch zu erlangen und fokussiert sich zu sehr auf die Zahlen. Jede negative Abweichung löst in ihr Existenzängste aus.


Auch Nikola träumt seit sie ein Kind ist davon Autorin zu sein. Sie schaut sich genau genau an, wie andere erfolgreiche Vollzeit-Autor*innen ihre Wege gestaltet haben und erkennt dabei, dass die meisten ein Sicherheitsnetz hatten. Fitzek hat selbst nach zahlreichen Bestsellern noch im Radio gearbeitet und nutze für seine Thriller das Wissen aus seinem Jura Studium. Ali Hazelwood war noch lange als Professorin der Neurowissenschaft tätig und Frieda McFadden arbeitet heute noch als Chirurgin.

Je mehr Lebenswege sie sich anschaute, sah sie, dass die meisten viel Arbeit in ihre Karriere gesteckt haben, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlicht haben. Sie entschied sich dazu das Handwerk zu erlernen und dabei verschiedene Perspektiven aufs Leben kennen zu lernen. Nach 10 Jahren gab sie einen ihrer Romane an eine Agentur und bekam einen Vertrag, mit dem sie zufrieden war. Nebenbei bleibt sie in ihrem Brotjob.

Neue Angebote nahm sie nur an, wenn sie passend waren, denn sie hat die Sicherheit nicht alles annehmen zu müssen.

Ihre Bücher zeichnen ein akkurates Bild ihrer Fähigkeiten und ihre Leserschaft wächst. Nach dem fünften großen Bestseller gibt sie ihren Brotjob auf. Sie hat ihr Ziel nach 15 Jahren erreicht.


Ein erfolgreiches Marketing und eine Erfolgreiche Karriere hängen von verschiedenen Faktoren ab. Jemand der euch in einem Seminar die besten Strategien für Erfolg vermitteln will, wird nicht darauf schauen, was für dich nachhaltiger Erfolg bedeutet, sondern darauf, was die Zahlen erhöht.

Deshalb ist die Suche nach dem eigenen roten Faden so viel wichtiger, als ein Rezept, das Erfolg verspricht.

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